|
Thermoelemente messen Temperaturen im Bereich -250°C bis 1800
(2750)°C.
Wird ein elektrischer Leiter an einem Ende erwärmt, so besteht
zwischen den beiden Enden ein Temperaturgefälle. Dies verursacht
einen Elektronenfluss in dem Leiter, wodurch eine Ladungstrennung =
elektromotorische Kraft = EMK entsteht. Die daraus resultierende
Spannungshöhe und Richtung ist von dem Temperaturgefälle und dem
Leitermaterial abhängig. Der Effekt wird nach seinem Erfinder
T.J.Seebeck 1822 benannt. Dabei ist es unerheblich, ob der
Temperaturunterschied auf einem langen oder kurzen Leiterstück
stattfindet.
Die Besonderheit des Seebeck-Effektes ist es, dass dieses Prinzip auch
umkehrbar ist: Peltier-Effekt. Wird ein Strom durch das Thermoelement
geschickt, so kühlt es sich ab: Peltierelement. In diesem Fall
findet eine "Temperaturtrennung" statt. Überlagert
wird dieser Effekt durch eine Wärmeentwicklung P = I2 * R, so dass ein
immer größerer Strom nicht gleichzeitig eine größere Kälteleistung
ergibt !
| Stellung einiger Elemente in der thermoelektrischen
Spannungsreihe bei der Temperatur 0°C. Blei ist hier das willkürlich
gewählte Bezugselement und daher gleich 0 V gesetzt. In anderen Tabellen wird die mit Wasserstoff umperlte Platinelektrode als Bezug verwendet. |
| Sb |
Fe |
Zn |
Cu |
Ag |
Pb |
Al |
Pt |
Ni |
Bi |
. |
| +35 |
+16 |
+3 |
+2,8 |
+2,7 |
0 |
-0,5 |
-3,1 |
-1,9 |
-70 |
10¯6 V/K |
Das Thermoelement = Thermopaar
Die Thermospannung kann man an einem Leiter schlecht messen, da sich
dann das eine Ende der Messleitung ebenfalls in der Temperaturzone
befindet.
Da bei jedem Übergang von einem auf ein anderes Leitermaterial
Thermospannungen entstehen, kann man - wie bei einem galvanischen
Element- zwei möglichst unterschiedliche thermoelektrische Leiter in
Reihe schließen. Verwendet man z.B. Fe und Al als Thermopaar, so
erhält man eine Thermospannung von 16,5 * 10-6 V/K, verwendet man Fe -
Cu, so wären es nur 13,2 * 10-6 V/K.
Beispiele für industriell genutzte Thermoelemente.
Das erstgenannte Leitermaterial ist der Plus-Schenkel:
|
Thermopaar
|
kurz
Bezeichnung
|
Typ |
Temperatur bereich °C |
Spannung in mV bei |
| 500 °C |
T max |
| Nickel/Chrom - Nickel/Al |
NiCr-Ni/Al |
K |
0 ..+1100 |
20,644 |
45,119 |
| Kupfer - Konstantan |
Cu-CuNi |
T |
-185 ...+300 |
. |
14,862 |
| Eisen - Konstantan |
Fe-CuNi |
J |
+20 ...+700 |
27,393 |
39,132 |
| Nickel/Chrom - Konstantan |
NiCr-CuNi |
E |
0 ... +800 |
37,005 |
61,017 |
| Platin/10%Rhodium - Platin |
Pt10Rh - Pt |
S |
0 ... +1550 |
4,233 |
16,182 |
| Platin/13%Rhodium - Platin |
Pt13Rh - Pt |
R |
0 ... +1600 |
4,471 |
18,849 |
MessSignalTransport und -aufbereitung
Der Zusammenhang zwischen Thermospannung und Temperatur sind nicht ganz linear. Er wird mathematisch durch eine Gleichung (Polynom)
höherer (10facher) Ordnung errechnet.
Berechnung der Thermospannungen = Grundwertreihen
MessSignalTransport und -aufbereitung
Warum ist bei der Temperaturmessung mit Thermoelementen eine
Vergleichsstelle und ev. Ausgleichsleiter notwendig?
An jeder der Kontaktstellen eines der beiden Thermoschenkel zum Kupferleiter entstehen ebenfalls neue
Thermospannungen. Diese Kontaktspannungen addieren sich positiv
oder negativ zu der Thermospannung. Es kann daher immer nur die Spannungsdifferenz
und damit TemperaturDifferenz
zwischen Messstelle und aller Kontaktstellen gemessen werden.
|
Korrektur der
Grundwerte, wenn die
Vergleichsstellentemperatur von 0 °C abweicht |
| |
Verminderung in mV bei
VergleichsstellenTemperatur |
| Thermopaar |
20 °C |
50 °C |
| Cu-Konstantan |
0,80 |
2,05 |
| Fe-Konstantan |
1,05 |
2,65 |
| NiCr-Ni |
0,80 |
2,02 |
| PtRh-Pt |
0,113 |
0,29 |
Die Thermospannung wird entweder
- mit dem gleichen Material wie die Thermoschenkel zur
Vergleichsstelle weiter geleitet
- oder, wenn die Thermoleiter teuer sind, mit Leitern aus einer
speziellen Legierung, welche an der Kontaktstelle zum Thermoelement bei
Umgebungstemperaturen keine neue Thermospannung erzeugen. Diese
Leiter werden Ausgleichsleiter genannt.
An der Kontaktstelle vom Thermo- oder Ausgleichsleiter zum
Kupferleiter wird eine (Temperatur-) Vergleichsstelle eingerichtet.
Für eine genaue Messung muss die Vergleichsstellentemperatur
bekannt sein. Selten wird jedoch die Vergleichsstelle direkt am
Messort montiert. Die MessThermospannung wird, um keine neuen
Thermospannungen zu erzeugen, mit dem selben Materialien wie der
jeweilige Thermoschenkel weitergeleitet oder, wenn das Material sehr
teuer ist, mit einem Leiter aus einer preiswerteren Legierung = Ausgleichsleiter. Dieser hat bei geringen Umgebungstemperaturen
< 50°C die selben thermoelektrischen Eigenschaften und erzeugt daher
beim Übergang auf "gleiches" Metall keine neue
Thermospannung, auf Kupfer jedoch die gleiche wie die original
Thermoschenkel.

Die Bedingung für eine exakte Temperaturmessung mit Thermoelementen
ist, dass die VergleichsstellenTemperatur bekannt ist. Es bieten
sich 2 Prinzipien an:
- Konstante VergleichsstellenTemperatur
- Messung der VergleichsstellenTemperatur
1. Vergleichsstelle mit konstanter VergleichsstellenTemperatur
1.1 Die Schwankung der VergleichstellenTemperatur ist nur
geringfügig oder sie ist verhältnismäßig klein zur
Messtemperatur. Keine besondere technische Einrichtung notwendig.
1.2 Die Vergleichsstelle wird mit einer Kühlung, z.B.
Eis-Wasser-Bad auf 0°C gebracht oder Kühlschrank. Nachteil: großer
Aufwand.
1.3 Die Vergleichsstelle wird auf 50 °C erwärmt und mit einem
Bi-MetallThermometer konstant gehalten. Vorteil: einfach, alter
industrieller Standard.
2. Vergleichsstelle mit Messung der
Vergleichsstellentemperatur
2.1 Kompensationsmessdose
In der Kompensationsdose befindet sich eine Brückenschaltung, welche
von einer netzbetriebenen Spannungsquelle versorgt wird. Zu der
Messspannung und der Thermospannung, welche an der Vergleichstelle
entsteht, wird eine entgegengesetzten Spannung mittels der Brückenschaltung
addiert, welche so groß ist, dass die Thermospannungen der
Vergleichsstelle kompensiert werden. In einem Brückenzweig
befindet sich ein NTC-Widerstand, welcher die Temperatur der
Vergleichsstellen misst und so Änderungen der Thermospannungen
ausgleicht. Eine Kompensationsmessdose kann daher immer nur für ein
bestimmtes Thermopaar ausgelegt sein. Alter industrieller
Standard.
2.2 Aktueller industrieller Standard mit IC
Die kleine Thermospannung wird nicht mehr in ihrer Originalgröße
analog übertragen, sondern in ein analoges Einheitssignal gewandelt
oder nach der Wandlung digital über einen Bus übertragen. Das
Wandlungssystem übernimmt die Aufgabe der Vergleichsstelle.
Auch hier entsteht der obig erwähnte Fehler durch den Übergang von dem
Thermomaterial auf Kupferleiter/-klemmen. Die ICs, welche die
Thermospannung aufbereiten, messen die KontaktTemperatur, so dass die
dort entstehende Thermospannung für ein bestimmtes Thermopaar wieder korregiert werden kann. z. B.
IC AD
594
Links:
Praktische und technische Infos können bestellt werden mit dem
kostenfreien Handbuch zur Temperaturmessung tcgmbh.de
Daten zu Thermoelemente und
Pt100
Weitere Informationen zu Toleranz,
Material- und AlterungsFehler, Farbcode, Widerstand, Bauformen...
usw
weiter zu Gleichungen, Faktoren der
Grundwertreihe, Grenzabweichung
|
|